Liebe Uschi, die Leser des TV-Blättles wollen Dich gerne kennenlernen. Erzähle uns doch mal etwas über Dich.
W: Ich bin verheiratet, habe 2 erwachsene Kinder und wohne in Birkmannsweiler. Die Liebe zum Tanzen hat sich bei mir schon als Kind entwickelt, deshalb habe ich nach der Schulausbildung das Tanzen und insbesondere die Tanzpädagogik zu meinem Beruf gemacht.
Ist Tanzlehrerin denn überhaupt ein richtiger Beruf?
W: (lacht) Und ob! Es ist eine höchst anspruchsvolle Berufsausbildung, die sich über volle 3 Jahre erstreckt. Es ist ein Ausbildungsberuf nach den Regeln des Berufsbildungsgesetzes mit Lehrvertrag, Berichtsheft, Zwischen- und Abschlussprüfungen.
Erzähl uns etwas mehr darüber.
W: Die Ausbildung zum Tanzlehrer erfolgt nach den Ausbildungsplänen des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes (ADTV). Sie gilt als die qualifizierteste Tanzausbildung in Deutschland. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Schulbildung und das 18. Lebensjahr. In einer anerkannten ADTV Ausbildungstanzschule absolviert man eine 3jährige Lehre, der fachtheoretische Unterricht findet in speziellen Berufsausbildungsschulen und Zentren statt. Nach der Abschlussprüfung, die neben dem praktisch-tänzerischen Teil auch weitere Gebiete wie u.a. Tanztheorie, Pädagogik, Rhetorik, Recht und Betriebswirtschaftslehre umfasst, erhält man das Recht, selbständig eine Tanzschule zu eröffnen. Der Beruf des Tanzlehrers gehört zu den freien Berufen.
Ist ja interessant. Hast Du jemals eine eigene Tanzschule geführt?
W: Nicht als selbständige Unternehmerin, aber ich war 8 Jahre in Mannheim als Leiterin einer Tanzschule angestellt. Turniertanz, Kindertanz und jeglicher Tanzschulbetrieb ist mir also vertraut.
Seit Gründung der Tanzabteilung im Jahr 2002 bist Du ohne Unterbrechung unsere Tanzlehrerin. Montagabends und am Mittwochabend bist Du bei uns und unterrichtest 3 Gruppen. Bei zwei weiteren Sportvereinen im Rems-Murr-Kreis unterrichtest Du auch. Hast Du keine Sehnsucht nach einer Tätigkeit in einer Tanzschule?
W: Überhaupt nicht, beides macht zwar Spaß, die Zielsetzungen sind aber verschieden. Die Tanzschulen sind naturgemäß ergebnisorientierter, insbesondere in den Medaillenkursen. Dies erfordert von den Tanzschülern regelmäßigen Zeitaufwand und Einsatz. Im Sportverein liegt kein vorgegebenes Kursprogramm vor. Man kann leichter einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, bei dem auch gesundheitliche Aspekte im Vordergrund stehen. Freude und Spaß am Tanzen, stressfreie Atmosphäre ohne Druck, Förderung körperlicher und geistiger Frische sind mir sehr wichtig. Die behutsame aber stetige Förderung des tänzerischen Leistungsvermögens muss dem nicht entgegenstehen. Das Tempo bestimmt aber im Wesentlichen die Gruppe.
Was war Dein kuriosestes Erlebnis in Deiner Berufstätigkeit?
W: Kurios ist vielleicht der falsche Ausdruck. Spannend zumindest war einmal mein Bemühen, stark Gehörgeschädigten das Tanzen beizubringen.
Ist ja interessant, erzähle doch bitte.
W: Die Paulinenpflege in Winnenden suchte für den Unterricht bei Gehörlosen und Gehörgeschädigten einen Tanzpädagogen. Niemand wollte die Aufgabe übernehmen, ich habe mich getraut und dies nicht bereut. Die Begeisterung, die Disziplin und die Hingabe der Schüler haben mich sehr beeindruckt. Für mich persönlich war diese besondere berufliche Herausforderung eine tolle eigene Erfahrung, die mir viel Freude machte.
Wie vermittelt man Gehörlosen Musik?
W: Die Vermittlung erfolgt über einstudierte Bewegungsmuster, außerdem ging mir ein "Dolmetscher" zur Hand und wir haben halt die Bässe etwas stärker aufgedreht, über die Vibration konnte man den Rhythmus erspüren.
Hast Du mit Deiner Tätigkeit auch schon Freundschaften und Ehen gestiftet?
W: (lacht) Du glaubst nicht, bei wie viel Hochzeiten ich schon eingeladen war, die sich in meinen Tanzkursen angebahnt haben.
Das bringt mich zur Frage, was sagt eigentlich Dein Mann, wenn Du jeden Abend unterwegs bist und Tanzunterricht gibst?
W: (lacht wieder) Der weiß seit vielen Jahren was es heißt, mit einer Tanzlehrerin verheiratet zu sein, schließlich war er ja früher selbst als ausgebildeter Tanzlehrer tätig. Heute allerdings übt er einen anderen erlernten Beruf aus.
Liebe Uschi, Du bist jetzt schon fast 10 Jahre bei uns. Kannst Du Dir vorstellen, nochmals so lange hier zu sein?
W: Warum nicht, mir gefällt es in der Tanzabteilung des TV Stetten. Die Stimmung ist prima, es herrscht ein angenehmes Klima und es macht mir Spaß, hier zu arbeiten.
Das freut uns, danke für das Gespräch.
( die Fragen stellte Alfred Steinhilber)